Aus dem Alltag einer Modelagentur
Das ZDF hat sich angesagt. Wollen am Freitag bei mir drehen. Suchen ein Model, welches sich bei mir vorstellen soll. Ich rufe Nora an, die genau an diesem Freitag in München ist. Sie hat früher wie sie mir während unseres ersten Vorstellungsgespräches sagte, als Model mit Charlotte March und Rico Puhlmann zusammengearbeitet. Das waren immerhin damals Größen!
Nora lebt in Hamburg und wollte bei der Fotografin Cococ in München Bilder machen lassen. Ich frage sie, ob sie bei den ZDF-Aufnahmen als Model zur Verfügung steht. Sie ist Feuer und Flamme. Sie will versuchen, einen Flug zu buchen. Ich buche das Hotel.
Das ZDF hat sich angesagt. Wollen am Freitag bei mir drehen. Suchen ein Model, welches sich bei mir vorstellen soll. Ich rufe Nora an, die genau an diesem Freitag in München ist. Sie hat früher wie sie mir während unseres ersten Vorstellungsgespräches sagte, als Model mit Charlotte March und Rico Puhlmann zusammengearbeitet. Das waren immerhin damals Größen!
Nora lebt in Hamburg und wollte bei der Fotografin Cococ in München Bilder machen lassen. Ich frage sie, ob sie bei den ZDF-Aufnahmen als Model zur Verfügung steht. Sie ist Feuer und Flamme. Sie will versuchen, einen Flug zu buchen. Ich buche das Hotel.
Nora ruft an, fragt nach dem Niveau der Sendung. Ich erkläre ihr, dass es da um Verbraucherinformationen geht, eine kreuzkonservative Angelegenheit. Da die Redakteurin ein Interview mit Nora führen will, impfe ich Nora ein, dass alles so stilvoll wie nur irgend möglich ablaufen soll. Boulevard hatte ich schon genug. Nora versteht das. Sie ist sowieso von der Agentur und mir überzeugt.
Dann erkläre ich ihr noch, darauf zu achten, dass ihre Klamotten für die Fotoaufnahmen weder in schwarz, weiß noch kleinkariert sein dürfen. Sie hat es sich notiert. Ebenso schreibt sie sich den Drehbeginn am Freitag auf.
04.12.
Nora ruft mich wegen ihres ZDF-Auftritts an. Sie hätte am Abend vorher mit ihrem Mann beim Japaner gesessen und er wäre auf die Aufnahmen zu sprechen gekommen. Er lässt mir Folgendes ausrichten: Ich möchte doch auf Nora achten, da sie ein Laie wäre. Und zwar auf ihre Gestik, da sie die Angewohnheit hat, sich ständig die Haare aus dem Gesicht zu streichen. Außerdem möchte ich auf die Kamera- und Lichtführung achten, damit Nora gut aussieht, ebenso auf ihr Make-up. Weil manche Journalisten einen in die Pfanne hauen, bittet er mich darum, bei dem Interview zumindest im Hintergrund anwesend zu sein, damit ich rettend eingreifen könnte, falls Nora auf das Glatteis geführt werden sollte. Ich höre ihr zu und bekomme einen geschwollenen Kamm. Es geht weiter: Ob diese Sendung auch seriös wäre und ob ich meine, die Sache so im Griff zu haben, dass die Agentur keinen Schaden erleidet. Jetzt bin ich sauer. Mit gepresster Stimme frage ich sie: "Ist das auch Ihre Meinung? Oder nur die Ihres Mannes? Warum sagen Sie mir Ihre Befürchtungen nicht direkt? Habe ich nicht lang und breit mit Ihnen gesprochen und Ihnen erklärt, was ich mit der Agentur vorhabe, welches Image ich pflege und warum ich Sie deshalb aufgenommen habe? Wissen Sie, ich rede Ihrem Mann ja auch nicht in sein Geschäft hinein". Sie: "Er wollte Sie ja nur auf die Möglichkeiten hinweisen, da er ja selbst aus dem Filmgeschäft kommt. Er wollte Ihnen nicht hineinreden, er meinte ja nur, ich sollte Ihnen das ausrichten. Sie müssen verstehen Frau Höhs, wir leben jetzt seit 20 Jahren zusammen. Da ist es doch verständlich, dass er sich um mich Sorgen macht." Ich rolle mit den Augen, rolle, rolle........und bleibe stumm.
06.12.
Das ZDF-Team ist da und verlangt nach Nora. Nora ist noch im etwa 3 km entfernten Hotel Sie ist gerade aus Berlin eingetroffen. Ich rufe sie an und sage ihr, dass wir auf sie warten. Nora: "Ich stehe noch unter der Dusche. Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen und wollte mich eine Stunde lang hinlegen."
Ich: "Die Stunde hilft jetzt auch nichts mehr. Machen Sie sich bitte fertig und dann nehmen Sie ein Taxi und kommen sie hierher."
Während der Wartezeit dreht das Team Inserts. Wir warten. Eine halbe Stunde. Nach einer dreiviertel Stunde rufe ich im Hotel an. Nora ist gerade in ein Taxi gestiegen. Wir warten.
Endlich. Nora ist da. Rabenschwarz gekleidet, fahles Gesicht, rote Augen und schweißgebadet. Sie fängt sofort an, mir nochmals die Sache mit ihrem Mann zu erklären, warum er was gesagt hat. Deswegen hat sie also nicht geschlafen. Aus lauter Angst, es mit mir zu verderben. Du großer Gott!
Ich finde es nach wie vor nicht gut, was er mir vorschreiben wollte und sage es ihr. Er und sie mögen sich keine Sorgen machen, denn immerhin ist das mein xte Fernsehsendung. Sie holt Luft, um etwas zu erwidern und ich stoppe sie schnell: "Vergessen wir es, konzentrieren wir uns hier auf die Aufnahmen."
Im Innersten weiß ich, dass ich die Sache bis in die tiefste Seelenfalte mit ihr klären müsste, um sie entspannter zu bekommen.
Aber das Team wartet. Deswegen fangen wir an.
Das Team will Nora mit mir im Vorstellungsgespräch drehen. Nora soll im Gang in meine offene Tür kommen und ich soll dann aufstehen. Die Redakteurin sagt "Bitte" zu Nora, wie mit ihr abgemacht, der Kameramann nimmt die vielen Model- Bilder auf meinem Tisch auf, um dann über mich auf die Tür zu schwenken, in die Nora kommen soll. Nora kommt nicht.
Es wird abgebrochen. "Warum kommen Sie nicht?" Nora: "Ach, bin ich schon dran?" Noch einmal das selbe. Die Kamera schwenkt von den Bildern auf dem Tisch, das Wort "Bitte" wird gesprochen, ich werde gedreht und dann geht die Kamera zur offenen Tür. Keine Nora. "Ich habe es nicht gehört." Noch mal. Die Kamera filmt die Bilder. Die Redakteurin sagt "Bitte", die Kamera schwenkt über mich auf die Tür. Keine Nora. Nora: "Mein Make-up war nicht in Ordnung."
Wir machen Pause und nehmen eine andere Einstellung. Die wird besprochen. Jeder weiß, was er zu tun hat. Die Kamera läuft. Nora steht mit ihren Bewerbungsunterlagen in der Tür. Die Mappe hat sie fest an ihre Brust gedrückt. Ich begrüße sie herzlich und komplimentiere sie auf den Stuhl. Dort soll sie mir ihre Unterlagen mit ihren Bildern übergeben. Sie hält sie vor der Brust verschränkt und rückt sie nicht raus.
Wir wiederholen. Wieder hält Nora die Mappe wie ein Schild vor die Brust. Ich lasse sie so - vielleicht ist das ja ihre persönliche Note. Ich begrüße sie herzlich und komplimentiere sie wieder auf ihren Stuhl. Sie stolpert über das Lichtstativ. Wiederholung.
Nora steht in der Tür, Ich begrüße sie herzlich. Sie verzieht nicht die Miene und hält ihre Mappe krampfhaft vor die Brust. Dann geht sie einen Schritt vor, um das Stativ zu meiden und fällt mir in die Arme.
Wiederholung. Dann aber haben wir die Einstellung.